Architektur

WebMCP vs. MCP: zwei Protokolle, zwei Ebenen

WebMCP ist weder eine Erweiterung noch ein Ersatz von MCP; die Chrome-Doku sagt es wörtlich: WebMCP is not an extension or a replacement of MCP. MCP verbindet Agenten mit Backends, Datenquellen und Workflows und läuft persistent als Server; WebMCP macht die laufende Website im Browser-Tab für Agenten bedienbar. Die Empfehlung beider Lager: kombinieren. MCP für die Kernlogik im Hintergrund, WebMCP für die Interaktion mit der Web-Oberfläche.

Warum es überhaupt zwei braucht

MCP (Model Context Protocol) hat das Problem der Backend-Anbindung gelöst: Ein Agent spricht mit einem Server, der Daten und Aktionen anbietet, unabhängig von jeder Oberfläche. Genau daraus entsteht aber ein zweites Problem, das der WebMCP-Explainer UI Disintermediation & Context Loss nennt: Die Integration läuft am Nutzer und an der Web-App vorbei, direkt zwischen Agent und Dienst. Session, Login-Zustand, Warenkorb, alles was in der laufenden Web-App steckt, ist für den Backend-Weg unsichtbar.

WebMCP setzt deshalb auf der anderen Seite an: im Browser, im selben Tab, in dem der Nutzer arbeitet. Tools laufen im Kontext der geladenen Seite und nutzen deren Zustand und deren Session.

Der Vergleich im Überblick

Die Gegenüberstellung nach der Chrome-Doku:

MCP und WebMCP im direkten Vergleich
Aspekt MCP WebMCP
Zweck Daten und Aktionen überall verfügbar machen die Live-Website für Agenten bedienbar machen
Lebenszyklus persistent (Server/Daemon) ephemer, an den Tab gebunden
Verfügbarkeit global (Desktop, Mobile, Cloud) im Browser
Kontext headless, ohne UI im DOM, mit Nutzer-Session und Seitenzustand
Typischer Fall Hintergrund-Aktion über eine API eine Buchung, Suche, Konfiguration in der laufenden UI

Zwei Punkte daraus verdienen Betonung. Erstens Geschwindigkeit und Verlässlichkeit: WebMCP-Tools arbeiten browserintern ohne Server-Roundtrips. Zweitens Stabilität: Tools hängen an der Anwendungslogik, nicht am Design; ein Redesign bricht keine Agent-Funktionalität.

Das häufigste Missverständnis: „Der Browser wird zum MCP-Server"

Nein. Patrick Brosset (Microsoft Edge) hat diese Fehldeutung öffentlich korrigiert, inklusive seiner eigenen: Der Browser agiert als Übersetzer, nicht als MCP-Server. WebMCP definiert die Primitive, vor allem Tools; die übrigen Schichten des MCP-Ökosystems (Transport, Session-Verwaltung, Client-Logik) verwaltet der Browser bzw. der Agent. Wer WebMCP einführt, betreibt deshalb keinen Server und verwaltet keine Endpoints; er annotiert seine Web-App.

Wann nehme ich was?

Quellen

Alle Belege sind öffentlich zugänglich und am auf Erreichbarkeit geprüft.

Zwei Protokolle, eine Architekturentscheidung.

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